GO-INTERVIEWS

GO nimmt sich periodisch Zeit, eine interessante Persönlichkeit aus dem gesellschaftlichen Leben vorzustellen, um in einem lebendig-heiteren Gespräch facettenreiche Einblicke in deren Wirken zu geben.



SUZANNE PRADEL – BUCHSCOUT


Zum Auftakt unserer GO-Interview-Reihe sprach Patrizia Golosch-Götz mit Suzanne Pradel, der Gründerin der BuchScout Agentur mit Sitz in Berlin. Als Filmdramaturgin prüft sie, ob und wie man Romane verfilmen kann. Als Sales Agent vermittelt sie Filmrechte von Romanen an Produzenten und Sender. Als Script Consultant wirkt sie an der Entwicklung anspruchsvoller Spielfilme für den nationalen wie internationalen Fernseh- und Kinomarkt mit.


Wolltest du schon immer zum Film? Oder wie kamst du zu diesem eher ungewöhnlichen Beruf und zur Gründung deiner eigenen Agentur?

„Man muss erst einmal den Platz finden, an dem man hingehört, um ihn dann so gut man kann auszufüllen“, schrieb der französische Philosoph Michel de Montaigne. Mit diesem Anspruch habe ich mich auf die Suche nach meinem Platz im Leben begeben und bin erst über Umwege zum Film gekommen.
Vom begonnenen Studium der Romanistik und Philosophie in Heidelberg führte mich meine Reiselust nach Italien und Frankreich, wo ich gelebt und gearbeitet habe. Anschließend habe ich Hotelmanagement in Lausanne studiert und in Hotels in der Schweiz, Belgien, Frankreich und Deutschland gearbeitet. Auch wenn ich mich in der Hotellerie ausleben konnte, sehnte ich mich nach einem direkteren Kontakt zu Kunst und Kultur. So entschied ich mich dafür, Kunstgeschichte in Berlin zu studieren.
Doch dazu kam es nicht. Bevor ich das Studium aufnahm, bekam ich eine Stelle als Assistentin des Geschäftsführers der UFA Film- und Fernsehproduktion. Von da an eröffnete sich mir eine Reihe spannender Möglichkeiten, und damit Einblicke in verschiedene Bereiche der Filmbranche. So arbeitete ich als Assistentin verschiedener Produzenten, als Produktionsassistentin und als Regieassistentin für namenhafte Filmproduktionen. Parallel absolvierte ich eine Ausbildung zur Dramaturgin. Fortan las ich Drehbücher und Romane für Sender, prüfte Projekte für Förderer und war als Dramaturgin in der Entwicklungsabteilung eines angesehenen Produktionshauses tätig.
2009 machte ich mich schließlich mit der BuchScout – Agentur für filmische Adaptionen selbständig. Eine Entscheidung, die mir mehr Freiheit in der Stoffwahl lässt und die Chance eröffnete, einen internationaleren Aktionsradius zu entwickeln.


Woraus schöpfst du deine Energie?

Aus der Liebe, der Natur, den Genüssen des Lebens, aus dem Zusammensein mit Freunden und meiner Familie sowie der Lust am Experimentieren.
Außerdem beflügeln mich neue Herausforderungen. Da entsteht so eine Aufregung, ob man der Herausforderung, die man da angenommen hat, gewachsen ist. Das belebt die Sinne. Hellwach taste ich mich an die Dinge heran, formuliere Fragen und suche gemeinsam mit den Partnern nach den passenden Antworten. Wenn am Ende die Aufgabe zur Zufriedenheit aller Beteiligten bewältigt ist, tritt eine große Befriedigung ein. Dieses Gefühl ist wunderbar, lässt mich allen Stress vergessen und sorgt dafür, dass ich mich frohgemut in die nächste Herausforderung stürze.


Um kreativ sein zu können und neue Ideen zu entwicklen, benötige ich immer wieder neue Anregungen. Wie sieht das bei dir aus? Woher holst du dir Inspiration?

Anregungen brauche ich auch; und zwar regelmäßig. Dabei beeinflussen mich viele Dinge. Das kann so ziemlich alles sein. Das Lesen eines philosophischen Textes, eines originellen Romans oder eines guten Artikels in der Zeitung; der Besuch einer Ausstellung, eines Theaterstücks oder das Ansehen eines Films; vor allem aber auch Menschen, denen ich begegne, und natürlich meine Freunde und Familie. Dabei sind es positive wie negative Erfahrungen, die mich beeinflussen, anspornen und inspirieren. Aus beiden kann man etwas ziehen.


Hast du Ziele und Träume?

Träume sind ein Motor in meinem Leben. Zunächst sind die Träume oft abstrakt, aber mit zunehmenden Alter werden einige davon Wirklichkeit. Darum bemühe ich mich.
Hierfür formuliere ich Ziele. Ich glaube, es ist wichtig, sich Ziele im Leben zu setzten. Ich teile diese in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele ein, die ich dann Schritt um Schritt zu verwirklichen suche. Dabei probiere ich viel aus, experimentiere und sehe dann, welche sich davon konkret realisieren lassen. Irgendwie ist ja der Weg das Ziel.
„Die oberste Aufgabe, zu der wir berufen sind, ist für jeden, sein eigenes Leben zu führen.“ Das ist auch ein Zitat von Michel de Montaigne. Das versuche ich auf meinem Weg zu berücksichtigen. Es muss zu einem passen. Nur so kann man nicht die Lust verlieren und richtig gut in dem werden, was man tut.


Hast du ein Lieblingsprojekt?

Es klingt komisch, ja fast platt, aber ich liebe alle meine Projekte, egal ob das der Kinofilm „Ich bin dann mal weg“ nach dem gleichnamigen Bestseller des Komikers Hape Kerkeling ist, der im Dezember in die Kinos kommt, und bei dem ich nur eine kleinere Rolle in der Entwicklung gespielt habe, oder der Fernsehfilm „Du bist dran“ mit Lars Eidinger in der Hauptrolle, der sich mit dem Rollentausch von Mann und Frau beschäftigt, bei dem ich die gesamte Stoffentwicklung betreut habe.
Vermutlich liegt das an der intensiven Auseinandersetzung. In der Entstehung eines Projektes lässt man sich immer tiefer auf das Thema des Films ein. Man muss die Gedankenwelt des Autors durchdringen, um an Form und Inhalt feilen zu können. Erst durch diesen zeitintensiven und Aufmerksamkeit fordernden Prozess öffnen sich Türen, die dahin führen, dass man man originelle Ideen entwickelt, die überraschen, inspirieren, anrühren, verstören, aufrütteln oder den Zuschauer zum Lachen bringen können.


Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich trödle gerne, aber dazu komme ich mit Beruf und Familie selten. Ich gehe zum Sport, treffe mich mit Freunden, besuche Ausstellungen, Theatervorstellungen oder Kinovorführungen. Ich höre Deutschlandradio oder sehe mir gerne Dokumentarfilme im Fernsehen an.
Zudem koche ich für mein Leben gerne. Das ist eine Art Meditation für mich, die Lebensmittel zu berühren, diese farblich zu arrangieren, um sie schließlich zu einem schmackhaften Essen zu verarbeiten. Das entspannt mich.


Du lebst in Berlin. Fühlst du dich dort Zuhause?

Ich lebe gerne in Berlin. Als Zugereiste schätze ich die Stadt und die Möglichkeiten, die sie mir bietet. Dadurch, dass ich bereits als Kind viel umgezogen bin, hänge ich allerdings weniger an Orten. Ich fühle mich an verschiedenen Orten und in verschiedenen Sprachen zu Hause.
Mein wahres Zuhause sind meine Freunde, deshalb reise ich oft, um mit ihnen beisammen sein zu können.